6. Juni 2007

Heute beim Internisten

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 18:17

Nein, dies ist nicht die Don Martin Seite des MAD Magazins - ich habe nur endlich meine Drohung wahrgemacht und den Grammophonschrank mal unorthodox von oben geöffnet.

Vier Schrauben brachten einiges an den Tag: Die Trägerplatte ist nicht original, denn unter ihr fand sich im Gehäuse ein Schlitz für die vermisste Deckel-Mechanik. Zu diesem Schlitz muss es eine Entsprechung auf der alten Chassis-Platte gegeben haben. Brandneu ist die jetzige dennoch nicht, denn solche Sperrholzplatten werden auch schon lange nicht mehr gebaut. Scheinbar hat’s aber wohl irgendwann die alte Platte mal reichlich zerlegt - oder das Werk hat aufgegeben und es war nur ein Total-Austausch möglich. Es wird wohl nicht mehr möglich sein, das zu ermitteln.

Die erste Frage, die sich nach der “Lochanalyse” von vorgestern noch stellt:

Wie kommt so ein Loch in einen Grammophontrichter?

Wie kriegt man so ein Loch in einen Grammophontrichter? Von vorn wohl nur schwerlich, von unten auch kaum, von oben - wo sollte da der Sinn sein?

Wenden wir uns nach den Eingeweiden dem offenen Herzen zu:

Federmotor von anno dunnemals

Da hat jemand mal ein “gutes Werk” getan. Wobei auch hier wohl Improvisation im Spiel war, wenn ich mir die Kurbelaufnahme anschaue, die von einem verbogenen Nagel gehalten wird. Naja - wenn’s funktioniert…

Der Bremshebel muss wohl schon ein paarmal gerichtet worden sein, denn die Bremse kennt ungefähr die binären Zustände “Höchstgeschwindigkeit” und “Laaaaaaaaaangsam” und dazwischen irgendwie nicht wahnsinnig viel. Einmal den Bremshebel aus der Raste genommen, den Drehknopf des Geschwindigkeitsreglers um 180 Grad gedreht und wieder eingesetzt - schon besser, nun stimmt wenigstens die “Langsam-Schnell”-Angabe wieder einigermaßen. Noch ein wenig “Feintuning” am Fliehkraftregler und man kann fast schon wieder von einer “Regelung” sprechen.

Ab hier wird getrommelt

In dieser Trommel befindet sich das, was unsere Schellacks auf Touren bringen soll - die Feder, oder besser die Federn. Kleine Problemstellung: So genau ist das von außen gar nicht festzustellen. Und durch Öffnen eines funktionierenden Werks das herauszufinden ist jetzt nicht gerade mein Ding. Da die Feder zweifelsfrei schonmal mehr Zug gehabt haben dürfte, wird aber wohl irgendwann eine Wartung anstehen. Für’s erste versuchen wir es mit Entspannungsübungen am Ende jeder “Schellack-Session”.

Ins rechte Licht gerückt...

Noch ein paar warme Worte zum Fliehkraftregler: Die Herrschaften, die sich die Grammophon-Antriebstechnik damals ausgedacht haben, haben das ebenso einfach wie genial gelöst. Ein paar dicke (natürlich exakt gleiche) Gewichte werden an Federn befestigt und ziehen beim Rotieren durch ihre Fliehkraft eine bewegliche Scheibe über ihre Antriebswelle. Gegen die Scheibe wird nun eine Bremse gedrückt und damit das Überschreiten einer bestimmten Maximaldrehzahl wirkungsvoll verhindert.

Zu beachten ist übrigens, dass es prinzipiell zwei Varianten dieser Bremsen gibt, nämlich mit zwei und mit drei Gewichten. Die mit den zwei Gewichten sind dabei wohl die “Sparausgabe”…

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