4. Juni 2007

Schönen Schrank…

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 14:31

…möchte ich sagen - nämlich zu meiner jüngsten Neuerwerbung aus dem Sektor mechanische Musikwiedergabe. In der Tat war dieses Stück, das ich zeitlich mangels besseren Wissens in die 20er-30er Jahre einordnen muss, ein ziemliches Schnäppchen, bedenkt man, dass es vollständig, trotz Patina recht gut erhalten und voll funktionsfähig ist.

Ich hätte es ja ahnen müssen, aber während ich darauf eingestellt war, meinen “Fang” als einen weiteren Staubfänger eingestuft zu finden, wurde das Gerät schlagartig auf einen Ehrenplatz im Wohnbereich versetzt. Na prima.

Unterhaltsam sind seitdem die Kommentare der weniger Eingeweihten: “Oh, hübsches Schränkchen - wo habt Ihr das denn gefunden?… …und wozu ist da ‘ne Kurbel dran?”

Jedenfalls haben wir hier ein Gerät, das mglw. Geschichten erzählen könnte. Rückseitig befindet sich ein recht unebenes kleines Loch, das irgendwie nicht “gebohrt” aussieht, zumal ich im innenliegenden Metalltrichter noch ein - vielleicht korrespondierendes - Loch fand. Ich möchte nicht mutmaßen, aber das, was diese Löcher verursacht hat, könnte auch etwas brachialerer Natur gewesen sein.

Jedenfalls ist das Maschinchen echt gebraucht, vom Lack des innenliegenden Trichters ist nicht übertrieben viel geblieben, was aber auch nichts macht, denn mit dem Metalltrichter ist es bei geöffneten Türen derart laut, dass man, um von “Hörgenuss” sprechen zu können, die Luken lieber geschlossen lässt. Nutzt auch das Resonanzverhalten des Korpus viel besser aus.

Im unteren Teil des “Kabinetts” findet sich Platz für die “Software” - ein Fach zur Liegendaufbewahrung von Platten oder sonstigem Kleinzeug, darunter kann man - wenn man einen geeigneten hat oder findet - einen Ständer für normale 10”-Schellacks deponieren, den man zur Entnahme der Platten allerdings etwas vorziehen muss, sonst passen die Scheiben nicht unter den Zwischenboden. Macht nicht wirklich was, schützt es doch die zerbrechlichen Scheiben vor dem allzu schnellen Zugriff bereits erwähnter Kinderhände.

Das Innenleben von vornKommen wir zu den inneren Werten (a propos, in Betrachtung des Inneren zeigt sich, dass unser Schellack-Ständer einer dringenden Erneuerung bedarf - geeignetes Teil ist aber schon gefunden und gekauft…):

Unter dem Deckel, der momentan noch mit dem Fehlen eines Feststellers zu kämpfen hat (dass ein solcher mal da war, ist deutlich erkennbar, aber nun ist er eben fort…) befindet sich ein 12” Plattenteller, der sehr massiv (Gußeisen?) wirkt. Anders als andere Abspielgeräte hat dieses dann aber direkt zwei Stopper - einen gewöhnlichen vorn links mit dem üblichen federgespannten Hebelchen, einen weiteren zur Rückseite hin neben dem Tonrohr, der mit einem kleinen Rückzugsgriff gespannt wird und über einen dünnen Metallbügel wieder ausgelöst wird. Ein wenig experimentieren bringt es an den Tag: So schrieb man damals “automatische Endabschaltung” - etwas brutal aber sehr effektiv.

Am Tonarm - wenn man ihn so nennen möchte - befindet sich vorn die Schalldose vom Typ “Electro” - die Bezeichnung verschließt sich mir insoweit, als bei dieser Art von Abspielgeräten so gar keine Elektrizität im Spiel ist. Möglichweise war das damals eine Modeerscheinung und eine Firma, die auf sich hielt, musste so heissen (ungefähr so wie “Atomic” in den 50ern… auch wenn ich mir ein Nukleargrammophon gerade nicht vorstellen mag).

So also stellen wir uns eine Endabschaltung vor

Der Doppelfedermotor läuft im übrigen ruhig, wenngleich ab und an bei längerem Lauf das übliche “Entspannungsknarzen” der Federn hörbar wird - aber ohne dass es stören würde.

Für mich neu war die Aufnahme der Kurbel, die hier als Vierkant ausgeführt ist (geschraubte Aufnahmen und solche, bei der die Kurbelwelle eine Nut aufweist, sieht man irgendwie häufiger). Fein, damit kann die Kurbel beim Herausnehmen nicht blockieren und man vermöhrt sich nicht gleich die Welle, wenn man beim Wiedereinsetzen nicht genau zielt. Scheint auf robust ausgelegt gewesen zu sein.

Was ist das für ein Hersteller?

Wozu mir nichts einfallen will, ist die Herstellerbezeichnung, die unter dem Deckel angegeben ist - aber dazu gibt’s ja bekanntlich dieses Netz. Vielleicht weiss einer der geneigten Besucher, wer oder was hinter dieser Bezeichnung steckte und wo das Gerät ursprünglich herkommt?

Morgen wird das Teil mal geöffnet - auf das Werk bin ich jetzt doch sehr gespannt…

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