21. Juni 2007

Kummerkasten

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 09:55

Jetzt war ein paar Tage Flaute hier - Dienstreise… was will man machen?

Prompt führte der gestrige Schritt an den geliebten Plattenkasten zu Kummer - die schon erwähnte Federschwäche scheint sich zu verschlimmern. Also hab ich mal ein wenig in den Weiten des Netzes gewühlt, und eine ziemlich geniale Seite zum Thema Grammophon-Technik gefunden. Damit waren die Fehlerursachen relativ schnell einzugrenzen.

Ernüchternd: Die möglichen Ursachen beschränken sich auf eine abgenutzte Feder oder ein zu hohes Auflagegewicht der Schalldose. Letzteres lässt sich wohl nur schwerlich korrigieren, denn bei klassischen Grammophon-Tonarmen gibt es nur die zwei Zustände “aufgelegt” oder “geparkt”. Die von modernen Plattenspielern so geschätzten Feineinstellungen für Auflagegewicht oder gar “Anti-Skating”… …okay, bleiben wir auf dem Boden der Tatsachen.

Nun bin ich von der vorsichtigen Fraktion und ziehe die Feder grundsätzlich nicht bis zum Anschlag auf - sollte man ja wohl auch eher nicht tun. Trotzdem muss ich das mal austesten, denn dass ein Grammophon dieser Größenordnung gerade mal eine normale Plattenseite schafft und danach schwächelt will mir nicht in den Kopf. Zumal ich ja auch “große” Schellacks (12”) habe, die entsprechend länger spielen. Gut, gnädigerweise arbeitet die konstante Drehgeschwindigkeit bei nach innen hin kleiner werdenden Rillenlänge pro Umdrehung für mich - die Feder hat’s leichter, die schwarze Scheibe um die Kurve zu wuchten - aber die Schwelle, ab wo dann die Tourenzahl beträchtlich abfällt, ist eben schon bedenklich nahe.

Nur nebenbei habe ich letzte Woche mein altes Kastengrammophon wieder aus der Versenkung geholt und werde das in den nächsten Tagen hier mal dokumentieren. Originalzustand ist anders, aber es gibt ein paar interessante Details. Da der Ehrgeiz wieder erwacht ist, werde ich aber versuchen, ein gleichartiges Gerät im Originalzustand im Auktionshaus meiner Wahl zu “schießen”…

6. Juni 2007

Heute beim Internisten

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 18:17

Nein, dies ist nicht die Don Martin Seite des MAD Magazins - ich habe nur endlich meine Drohung wahrgemacht und den Grammophonschrank mal unorthodox von oben geöffnet.

Vier Schrauben brachten einiges an den Tag: Die Trägerplatte ist nicht original, denn unter ihr fand sich im Gehäuse ein Schlitz für die vermisste Deckel-Mechanik. Zu diesem Schlitz muss es eine Entsprechung auf der alten Chassis-Platte gegeben haben. Brandneu ist die jetzige dennoch nicht, denn solche Sperrholzplatten werden auch schon lange nicht mehr gebaut. Scheinbar hat’s aber wohl irgendwann die alte Platte mal reichlich zerlegt - oder das Werk hat aufgegeben und es war nur ein Total-Austausch möglich. Es wird wohl nicht mehr möglich sein, das zu ermitteln.

Die erste Frage, die sich nach der “Lochanalyse” von vorgestern noch stellt:

Wie kommt so ein Loch in einen Grammophontrichter?

Wie kriegt man so ein Loch in einen Grammophontrichter? Von vorn wohl nur schwerlich, von unten auch kaum, von oben - wo sollte da der Sinn sein?

Wenden wir uns nach den Eingeweiden dem offenen Herzen zu:

Federmotor von anno dunnemals

Da hat jemand mal ein “gutes Werk” getan. Wobei auch hier wohl Improvisation im Spiel war, wenn ich mir die Kurbelaufnahme anschaue, die von einem verbogenen Nagel gehalten wird. Naja - wenn’s funktioniert…

Der Bremshebel muss wohl schon ein paarmal gerichtet worden sein, denn die Bremse kennt ungefähr die binären Zustände “Höchstgeschwindigkeit” und “Laaaaaaaaaangsam” und dazwischen irgendwie nicht wahnsinnig viel. Einmal den Bremshebel aus der Raste genommen, den Drehknopf des Geschwindigkeitsreglers um 180 Grad gedreht und wieder eingesetzt - schon besser, nun stimmt wenigstens die “Langsam-Schnell”-Angabe wieder einigermaßen. Noch ein wenig “Feintuning” am Fliehkraftregler und man kann fast schon wieder von einer “Regelung” sprechen.

Ab hier wird getrommelt

In dieser Trommel befindet sich das, was unsere Schellacks auf Touren bringen soll - die Feder, oder besser die Federn. Kleine Problemstellung: So genau ist das von außen gar nicht festzustellen. Und durch Öffnen eines funktionierenden Werks das herauszufinden ist jetzt nicht gerade mein Ding. Da die Feder zweifelsfrei schonmal mehr Zug gehabt haben dürfte, wird aber wohl irgendwann eine Wartung anstehen. Für’s erste versuchen wir es mit Entspannungsübungen am Ende jeder “Schellack-Session”.

Ins rechte Licht gerückt...

Noch ein paar warme Worte zum Fliehkraftregler: Die Herrschaften, die sich die Grammophon-Antriebstechnik damals ausgedacht haben, haben das ebenso einfach wie genial gelöst. Ein paar dicke (natürlich exakt gleiche) Gewichte werden an Federn befestigt und ziehen beim Rotieren durch ihre Fliehkraft eine bewegliche Scheibe über ihre Antriebswelle. Gegen die Scheibe wird nun eine Bremse gedrückt und damit das Überschreiten einer bestimmten Maximaldrehzahl wirkungsvoll verhindert.

Zu beachten ist übrigens, dass es prinzipiell zwei Varianten dieser Bremsen gibt, nämlich mit zwei und mit drei Gewichten. Die mit den zwei Gewichten sind dabei wohl die “Sparausgabe”…

4. Juni 2007

Schönen Schrank…

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 14:31

…möchte ich sagen - nämlich zu meiner jüngsten Neuerwerbung aus dem Sektor mechanische Musikwiedergabe. In der Tat war dieses Stück, das ich zeitlich mangels besseren Wissens in die 20er-30er Jahre einordnen muss, ein ziemliches Schnäppchen, bedenkt man, dass es vollständig, trotz Patina recht gut erhalten und voll funktionsfähig ist.

Ich hätte es ja ahnen müssen, aber während ich darauf eingestellt war, meinen “Fang” als einen weiteren Staubfänger eingestuft zu finden, wurde das Gerät schlagartig auf einen Ehrenplatz im Wohnbereich versetzt. Na prima.

Unterhaltsam sind seitdem die Kommentare der weniger Eingeweihten: “Oh, hübsches Schränkchen - wo habt Ihr das denn gefunden?… …und wozu ist da ‘ne Kurbel dran?”

Jedenfalls haben wir hier ein Gerät, das mglw. Geschichten erzählen könnte. Rückseitig befindet sich ein recht unebenes kleines Loch, das irgendwie nicht “gebohrt” aussieht, zumal ich im innenliegenden Metalltrichter noch ein - vielleicht korrespondierendes - Loch fand. Ich möchte nicht mutmaßen, aber das, was diese Löcher verursacht hat, könnte auch etwas brachialerer Natur gewesen sein.

Jedenfalls ist das Maschinchen echt gebraucht, vom Lack des innenliegenden Trichters ist nicht übertrieben viel geblieben, was aber auch nichts macht, denn mit dem Metalltrichter ist es bei geöffneten Türen derart laut, dass man, um von “Hörgenuss” sprechen zu können, die Luken lieber geschlossen lässt. Nutzt auch das Resonanzverhalten des Korpus viel besser aus.

Im unteren Teil des “Kabinetts” findet sich Platz für die “Software” - ein Fach zur Liegendaufbewahrung von Platten oder sonstigem Kleinzeug, darunter kann man - wenn man einen geeigneten hat oder findet - einen Ständer für normale 10”-Schellacks deponieren, den man zur Entnahme der Platten allerdings etwas vorziehen muss, sonst passen die Scheiben nicht unter den Zwischenboden. Macht nicht wirklich was, schützt es doch die zerbrechlichen Scheiben vor dem allzu schnellen Zugriff bereits erwähnter Kinderhände.

Das Innenleben von vornKommen wir zu den inneren Werten (a propos, in Betrachtung des Inneren zeigt sich, dass unser Schellack-Ständer einer dringenden Erneuerung bedarf - geeignetes Teil ist aber schon gefunden und gekauft…):

Unter dem Deckel, der momentan noch mit dem Fehlen eines Feststellers zu kämpfen hat (dass ein solcher mal da war, ist deutlich erkennbar, aber nun ist er eben fort…) befindet sich ein 12” Plattenteller, der sehr massiv (Gußeisen?) wirkt. Anders als andere Abspielgeräte hat dieses dann aber direkt zwei Stopper - einen gewöhnlichen vorn links mit dem üblichen federgespannten Hebelchen, einen weiteren zur Rückseite hin neben dem Tonrohr, der mit einem kleinen Rückzugsgriff gespannt wird und über einen dünnen Metallbügel wieder ausgelöst wird. Ein wenig experimentieren bringt es an den Tag: So schrieb man damals “automatische Endabschaltung” - etwas brutal aber sehr effektiv.

Am Tonarm - wenn man ihn so nennen möchte - befindet sich vorn die Schalldose vom Typ “Electro” - die Bezeichnung verschließt sich mir insoweit, als bei dieser Art von Abspielgeräten so gar keine Elektrizität im Spiel ist. Möglichweise war das damals eine Modeerscheinung und eine Firma, die auf sich hielt, musste so heissen (ungefähr so wie “Atomic” in den 50ern… auch wenn ich mir ein Nukleargrammophon gerade nicht vorstellen mag).

So also stellen wir uns eine Endabschaltung vor

Der Doppelfedermotor läuft im übrigen ruhig, wenngleich ab und an bei längerem Lauf das übliche “Entspannungsknarzen” der Federn hörbar wird - aber ohne dass es stören würde.

Für mich neu war die Aufnahme der Kurbel, die hier als Vierkant ausgeführt ist (geschraubte Aufnahmen und solche, bei der die Kurbelwelle eine Nut aufweist, sieht man irgendwie häufiger). Fein, damit kann die Kurbel beim Herausnehmen nicht blockieren und man vermöhrt sich nicht gleich die Welle, wenn man beim Wiedereinsetzen nicht genau zielt. Scheint auf robust ausgelegt gewesen zu sein.

Was ist das für ein Hersteller?

Wozu mir nichts einfallen will, ist die Herstellerbezeichnung, die unter dem Deckel angegeben ist - aber dazu gibt’s ja bekanntlich dieses Netz. Vielleicht weiss einer der geneigten Besucher, wer oder was hinter dieser Bezeichnung steckte und wo das Gerät ursprünglich herkommt?

Morgen wird das Teil mal geöffnet - auf das Werk bin ich jetzt doch sehr gespannt…

3. Juni 2007

Schriftliches

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 21:58

Wieder was dazugelernt - wunderte ich mich doch darüber, dass ein mir angebotenes Grammophon eine Schalldose mit abgewinkelter Nadelhalterung trug, was bei den mir geläufigen Abtastungen so überhaupt keinen Sinn machte (ausser, die Nadel sollte es leichter haben, aus der Rille zu springen).

Das Geheimnis dahinter ist das Prinzip, wie der Schall auf der nach ihm benannten Platte verewigt wurde. Meine laienhafte Annahme, die Rille sei einer Schallwelle nachempfunden in die Platte eingraviert, stimmt nur zu einem Teil - das Grundprinzip, das Onkel Edison damals bei seinem Phonographen verwendete, lief tatsächlich nach diesem Strickmuster und hört, da die Wellen halt entsprechend unterschiedlich tief eingraviert sind, auf den schönen Namen “Tiefenschrift”. “Normale” Schallplatten hätten aber prinzipbedingt mit der Tiefenschrift so ihre Probleme, insbesondere das naheliegende, dass die damaligen schweren Tonabnehmer in Verbindung mit Stahlnadeln ein zu weiches Plattenmaterial sehr schnell zu Grunde gerichtet hätten (und haben - werden wir noch lernen…)

Wie funktioniert jetzt die normale Platte? Hier hat sich der Vater der Schallplatte - Emil Berliner - ein etwas anderes Verfahren ausgedacht: Die Rille ist konstant tief und dient als Führung, die Toninformation ist durch seitliche Auslenkung eingraviert. Damit erklärt sich auch die Konstruktion der normalen Grammophon-Schalldose, bei der die Nadel seitwärts mit der Membran verbunden ist. Von einer Tiefenschrift-Platte würde eine solche Schalldose recht wenig wiedergeben können.

Und wie erklärt sich nun die “geknickte” Dose?

Frei nach Edison, der auch immer schonmal gern seine Idee als die allein seligmachende verkaufte, gab es seinerzeit auch Schallplattenhersteller (insb. die französische Pathé), die das Tiefenschriftverfahren für die bessere Lösung hielten. Während das Berliner-Grammophon die Schalldose parallel zur Rille montiert hat und die Nadel seitlich auslenkt, ist beim Pathé-System die Schalldose quer zur Rille montiert und die Nadel lenkt vertikal aus - naja, was man halt in diesem Zusammenhang vertikal nennen mag. Um die Verwirrung perfekt zu machen, scheint es beim Pathé-System üblich gewesen zu sein, die Platte von innen nach außen abzutasten (zumindest keine völlig abwegige Idee, wenn man sich anschaut, wie das bei modernen optischen Datenträgern funktioniert).

Über die Vor- und Nachteile scheiden sich scheinbar die Geister - generell scheint das Seitenschrift-Verfahren weniger anfällig für Störgeräusche zu sein und die Plattenaufnahmen länger leben zu lassen. Der große Edison hatte dem übrigens noch etwas zugesetzt und eine sog. “Diamond Disc” entwickelt - die er bezeichnenderweise so nannte, weil sie mit einer Saphirnadel abgetastet werden musste (und entsprechend weniger Auflagegewicht im Vergleich zu den stählernen Platten-”Pflügen” jener Zeit). Das Teil kam denn auch mit Tiefenschrift und z.T. erstaunlichen Spieldauern, war aber wie so manch ausgeklügeltes und fortschrittliches System zum Untergang verdammt, weil ein etabliertes und zudem viel billigeres System den Markt schon fest im Griff hatte. Parallelen zu modernen Videoformaten drängen sich förmlich auf.

Da sieht man’s mal wieder. Man lernt nie. Aus.

Nostalgie-Flut…

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 01:46

Alte Schätzchen hat’s ja viele da draußen - aber gerade bei Grammophonen scheinen Repliken momentan ganz groß in Mode zu sein. Das allein wäre noch kein Beinbruch, wenn wenigstens ein gerüttelt Maß an Vielfalt herrschen würde. Aber nein, der Regelfall ist das Trichtergrammophon Typ “08/15″ unter dem Namen “His Master’s Voice” (wobei letzteres bei Aufkleber und etwaigen Gravuren auch noch unterschiedlich fehlerhaft geschrieben ist).

Ja, ich habe selbst auch so eins:

HMV Nachbau (aus Indien?)Im Prinzip ist gegen eine Replik noch nicht viel zu sagen. Die Alternative wäre für viele Fans des Nostalgischen ein Original für viele hundert wenn nicht gar tausend Euro, weniger spaßig wird’s aber, wenn man sich die Detailtreue und die Funktionsfähigkeit vor Augen führt.

Viele dieser Kopien fallen durch recht grob ausgeführte Tonrohre und Steckverbindungen für den Trichter auf. Der Trichter ist oft schlicht gehalten, manchmal aber auch aufwendig “graviert” (wobei eigentlich nur von Prägung die Rede sein kann, was bekanntlich maschinell recht gut geht) - tatsächlich hält sich der Aufwand also in Grenzen. Das Gehäuse ist i.d.R. tatsächlich aus Massivholz, was aber noch nicht viel heißen muss. Die Ausführung der Lackierung lässt auf jeden Fall den letzten Zweifel fallen - hier wurde schnell und kostengünstig mit modernem Material gearbeitet.

Interessant sind vielfach die verbauten Werke. Meist handelt es sich um einigermaßen sauber laufende Doppelfeder-Antriebe, mit denen eine Platte relativ laufruhig abgespielt werden könnte. Die Geräuschabsonderung dieser Laufwerke ist nicht immer ideal, lässt sich aber mit etwas Schmierung halbwegs unter Kontrolle bringen.

Ungünstig - wenngleich mir hier der direkte Vergleich zum Vorbild fehlt - ist die Anordnung von Plattenteller und Feststeller. Die Plattenteller dieser Nachbauten sind gern einfache Formbleche mit einem Filzbelag, damit also oft nicht wirklich rund laufend sondern eher “eierig”. Ist dann das Gelenk im Tonrohr etwas schwergängig und die Nadel nicht mehr ganz fit (nicht jeder beherzigt das “jede Nadel nur einmal benutzen”) ist die Spurrille auf der Platte nur mehr eine Leitlinie als eine Regel.

Aus der Nähe betrachtet Die verwendete Schalldose (draufgraviert ist “Sound Box” - die etwas willkürliche Übersetzung “Krachschachtel” drängt sich auf) hat dann auch meist eher die Funktion, überhaupt nachzuweisen, dass auf der Platte eine Tonaufnahme ist - nicht aber, diese besonders originalgetreu wiederzugeben. Ein Vergleich mit einer “vernünftigen” Schalldose mit Glimmermembran offenbart Unterschiede wie Tag und Nacht.

Trotzdem mag ich diese Stücke nicht rundheraus “verdammen” - ich mag die Bauform des Trichtergrammophons, und die Nachbauten sind eindeutig dekorativ - sie sind nur eben kein wirklicher Ersatz für ein Original, wenn es auch darum geht, für mehr als einen bloßen Gag mal alte Schellacks abzuspielen.

Wenn - was sich kaum vermeiden lassen wird - also jemand interessiert auf einschlägige Auktionen für diese Kopien schaut, so sei versichert: Der z.Z. übliche Preis zwischen 40 und 100 Euro für so ein Gerät geht völlig in Ordnung - für ein Dekorationsobjekt mit begrenzter Funktionsfähigkeit. Ich habe seinerzeit noch deutlich mehr bezahlt, da waren die Dinger auch noch nicht gar so häufig anzutreffen.

Trotzdem bleibt natürlich die Sorge, dass der Originalitätsfaktor bei dieser beinahe schon Massenware auf der Strecke bleibt.

1. Juni 2007

Von der Vergänglichkeit

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 23:13

Heute durfte ich in zweierlei Hinsicht lernen, was ich eigentlich schon wusste - aber natürlich verdrängt hatte: Alles ist vergänglich und auch scheinbar robuste historische Apparate gehören nicht zwangsläufig in Kinderhände.

Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Kiddies Spaß an alten Musikmaschinen finden und diese auch mal bedienen möchten. Die Unbedarftheit ihrer Grabbelfinger ist jedoch absolutes Gift für die Glimmer-Membranen alter Schalldosen (zum Glück ist nichts passiert!) und hinterlässt beim Aufsetzen des Tonarms gern Schrammen auf den Platten (leider ist was passiert!). Das wäre alles noch verschmerzbar, hätte es nicht eine meiner absoluten Lieblingsaufnahmen - “Skyliner” von Charlie Barnet - erwischt. Zum Glück war eine schon etwas abgenudelte “Langspielnadel” drin und der Kratzer nicht tief - es clickt nicht mal beim Abspielen. Nicht auszudenken, welche Ackerfurche eine frische Nadel hätte reißen können.

Aber was die Kinder nicht schaffen, kriegt der Papa auch alleine hin. Schellack-Schallplatten sind bekanntlich schwarz, relativ schwer und absolut unflexibel - oder kurz: ganz schön zerbrechlich. Zum Glück war’s ein unbedeutendes Stück aus einem großen Stapel, den ich mal günstig erstanden hatte, aber was nach dem Bodenkontakt übrig blieb, stimmt angesichts etwas seltenerer Stücke in der Sammlung doch nachdenklich. Auch zum Probehören sollte man die Platten also nicht nachlässig auf die Tischkante legen…

31. Mai 2007

Wieso ein Grammophon-Blog?

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 22:41

Tja, grad so gut könntet Ihr fragen: Wieso im 21. Jahrhundert überhaupt noch ein Grammophon?

Das -phon war glaube ich der Auslöser - beschäftige ich mich doch seit einiger Zeit intensiv mit Saxophonen (ich fürchte, ein Saxophon-Blog wird folgen, wenn dies hier erst mal “rund” läuft). Irgendwie liebe ich seit 30 Jahren alte Jazzmusik, spiele seit 4 Jahren selbst Saxophon (vorher auch schonmal Klarinette) und bin regelmäßigen Anflügen von Nostalgia ausgesetzt.

Außerdem scheint es unsereins von der Elektronik-affinen Fraktion gegeben zu sein, sich ab und an mit anachronistischer Technik auseinandersetzen zu müssen. Da liegt es fast schon nahe, sich mal mit Musikmaschinerie zu befassen, die aus gigantischen, leicht zerbrechlichen Datenträgern gerade mal ein Musikstück pro Seite herauskratzt - und das auch noch komplett ohne elektrischen Strom!

Unser erstes Grammophon steht sogar schon eine Weile hier - dafür ist es nicht wirklich alt. Der Welt beliebtester online-Marktplatz wird derzeit mal wieder überflutet mit Nachbau-Grammophonen, die üblicherweise alten “His Master’s Voice” Modellen nachempfunden sind - oder sein sollen. Dekorativ ist sowas zweifellos - aber auch nur das. Die Verarbeitung erlaubt nicht wirklich, sich dem historischen Klanggenuss anzunähern.

Meine “Lieblinge” sind daher momentan ein altes Kasten- bzw. Tischgrammophon ohne nähere Markenbezeichnung und vor allem mein jüngstes Schnäppchen, das erst seit gestern hier steht: Eine Grammophontruhe noch nicht genau bestimmten Alters mit einem interessanten aber auch noch nicht weiter ergründeten Herstellerschild. Letzteres Schätzchen werde ich in den nächsten Tagen hier mit Bildern näher beschreiben - und auch, was daraus noch wird.

Weiteres Thema wird das Zubehör werden, denn zu jedem Grammo gehören Schellacks und Nadeln, und das allein ist eine Sammelaktion für sich.

Natürlich sind Interessierte, die sich mit ihren Erfahrungen hier beteiligen möchten, stets willkommen - ich bin gespannt, was aus der Seite wird.

Über das Grammophon als solches

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 16:17

Grammophon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

 

Grammophon

 


Grammophon “Victor V” der Victor Talking Machine Co.

Ein Grammophon oder -fon (von altgr.: grammein, „schreiben“ und phone, „Stimme“) ist ein Gerät zur Aufzeichnung und Wiedergabe von Tönen, das 1887 von Emil Berliner erfunden wurde (Anmeldung zum Patent: 29. September 1887). Als reines Abspielgerät war es der mechanische Vorläufer des Plattenspielers.

 

Grammophonfabrik Emil Berliners in Hannover

 


Grammophonfabrik Emil Berliners in Hannover

Das Grammophon ist – im Gegensatz zum Phonographen – mit einer runden Platte (Schallplatte) ausgestattet, auf der die Töne mechanisch aufgezeichnet werden; Edisons Phonograph verwendete noch eine Walze. Berliners Schallplatte bestand aus einer flachen, wachsbeschichteten Zinkscheibe als Tonträger; jede Platte musste bei diesem Verfahren einzeln hergestellt werden. Zur Aufnahme wurde die Schalldose über eine Spindel spiralförmig über die Schallplatte geführt, durch den Trichter bewegte der Schall selbst eine Membran, an der wiederum über ein Hebelsystem die Nadel befestigt ist. Dadurch wurde im Wachs ein Abdruck des Schalls erzeugt. Nach einem Säurebad blieb diese so entstandene Rille im Zink zurück, das Wachs konnte entfernt werden. Von dieser “Mutter” genannten Schallplatte konnten im galvanischem Wege per Elektrolyse eine Kopie gefertigt werden. Diese wiederum diente als Matrize zur Herstellung von Schallplatten.

Normale Grammophone waren allerdings - im Gegensatz zum Phonographen - nicht für die Aufnahme von Schallplatten vorgesehen. Dadurch entfiel die Spindel zur Führung der Schalldose, die Nadel wurde durch die Rille selbst geführt. Zur Wiedergabe bewegte in umgekehrtem Mechanismus zur Aufnahme die Form der Rille die Nadel, welche wiederum über ein Hebelsystem die Schwingung an die Membran übertrug. Zur Verstärkung wurde ein Trichter eingesetzt.

Den Beginn der Schallplattenvervielfältigung kann man im Jahr 1892 ansetzen, als erstmals nickelüberzogene Kupfernegativplatten aus vulkanisiertem Gummi gepresst wurden. Schellack wurde ab 1895 als Grundstoff für Schallplatten eingesetzt. Eine Schellackplatte besteht nicht wirklich aus Schellack, sondern aus einer Mischung von Gesteinsmehl, Kohlenstaub und Tierhaaren. Der Schellack wurde hierbei als Bindemittel eingesetzt.

Die ersten Schallplatten hatten einen Durchmesser von ca. 12 Zentimeter, später setzten sich allgemein Größen von 25 cm oder 30 cm durch. Auch waren die ersten Schallplatten lediglich einseitig bespielt, es dauerte bis nach der Jahrhundertwende, dass die ersten Platte auch beidseitig bespielt wurden.

Hallo Welt!

Kategorie: Allgemein — Jerry @ 15:19

Nun ist es soweit - mein erstes Blog geht online (nicht, dass ich nicht schon genug Webtraffic verursacht hätte - aber eben noch nicht in der Blogosphere).

Thema dieses Blogs wird eine heimliche Passion von mir - Grammophone und Schellack-Schätzchen!

Jetzt finde ich erst mal detailliert raus, was mit WordPress alles geht (und was nicht), und dann geht’s auch inhaltlich zur Sache.

Also schaut gern mal wieder rein.

Jerry